Der Teufel hat mir seine Seele verkauft.

HEY DU


Der Teufel hat mir seine Seele verkauft

Der Teufel hat mir seine Seele verkauft. Das ist eine Geschichte, die jetzt und in der Vergangenheit spielt und entwickelt sich im Laufe der Zeit.


Und es ist in Niederländisch, Deutsch, Französisch und Englisch geschrieben


Ich bin hier für das große Finale des Lebens.


Lies diese Geschichte

Der Lobbyist

1.

Wo bleibt er denn, murmele ich, gucke auf meine Breitlingund sehe, dass er mich schon mehr als eine halbe Stunde warten lässt. Mistkerl, denke ich, stecke mir noch eine Zigarette an und zerknülle die leere Packung. Ich habe gleich einen Termin mit dem Stadtrat der Gemeinde, und das ist eine grosse Sache, die ich nicht vermasseln will. Es ist schon halb elf, ich muss jetzt weg, denn ich will den Termin echt nicht verpassen. Ich fühle mich ein bisschen wie in einem schlechten Film, wegen einiger Entscheidungen, die ich kürzlich getroffen habe. Der schwere Vohang an der Tür wird zurückgeschoben, und ich sehe, dass mein Dealer gerade die Bar betreten hat. Er schaut in die Runde, ob er mich finden kann. Wir bekommen Blickkontact, und er kommt nach hinten in die Bar, wo ich in einer Nische an einem kleinen Tisch sitze. Er war ganz sicher überzeugt, dass ich auf jeden Fall auf ihn warten musste, da ich ihn für eine Bestellung angerufen hatte. Und dieses Mal ist es nicht nur für mich, sondern auch für jemand anders. Ich würde für mich alleine nicht so viel bestellen, was er natürlich auch weiss.

2.

Sein Blick ist bösartig, als er sich neben mich setzt, statt mir gegenüber. „Hey“ stottere ich ein bisschen unglücklich, weil ich ihn so nicht gut ansehen kann. „Hmm“ , höre ich neben mir, um dann zu hören, dass er die Tür im Blick halten muss, während er mit mir redet. „Für wen ist die grosse Bestellung?“ fragt er, während zwei grosse, böse, blaue Augen in meine schauen. „Ehn eh“, stottere ich wieder, „eh, ich habe das geldbei mir.“ „Da geht es nicht drum, da ich noch 3000 von Dir kriege, und wenn ich dächte, dass Du kein Geld bei Dir hättest, wäre ich jetzt nicht hier.“ „ Nee, nee,“ sage ich zu meinem Dealer, „ die 3000 habe ich auch bei mir.“ „ Das weiss ich, fürwen ist es?“ „ Oh je, das kann ich eigentlich nicht sagen, eh, das verstehst Du doch wohl?“ versuche ich ihn zu überzeugen. Ich fühle einen kalten Schauer über mein Rückrat laufen, als er sich langsam zu mir umdreht, eine Hand auf meine Kehle legt und langsam zudrückt. „ Für wen ist es?“ zischt er mit fest zusammengepressten Zähnen. Ich gerate leicht in Panik, als er fester zupackt, so dass meine beiden Halsschlagadern keine Zufuhr mehr bekommen.

3.

„Ok, ok ok,“ bringe ich heraus und kriege wieder ein bisschen Luft. „Zum letzten Mal, wer ist es?“ schaubt er. „Der Stadtrat“, stöhne ich. Mein Kkopf hängt mir fast auf den Knien, er ist 1.85 m gross, fast 100 kg schwer, vollgepumpt mit Anabolika, und er bekommt noch Geld von mir. Er drückt einen Sack an meine Seite, und ich nehme den Umschlag mit dem Geld aus meiner Innentasche. „Danke“, flüstere ich, als er aufsteht, um zu gehen. Er dreht sich noch mal um, und ich sehe, dass sein Gesicht jetzt völlig anders aussieht. Mit einem breiten Grinsen sagt er:“ Einen schönen Abend noch, mein Freund,“ und kniept mir zu, als er die Kneipe verlässt. Jesus, ein völlig anderer Typ, schiesst mir durch den Kopf, seltsam! Ich muss mich jetzt beeilen, wenn ich nicht zu spät kommen will und trinke mein Glas leer. Den Sack packe ich in meine Aktentasche und mache mich auf den Weg zu dem Hotel, wo ich den Termin mit dem Stadtrat habe. Das ist meine Gelegenheit, um als Lobbyist höher hinauf zu kommen. Danach kann ich nach Den haag für das richtig grosse Geld und von da nach Brüssel. Wenn ich diese Angelegenheit über den Stadtrat für den Auftragnehmer regeln kann, gehe ich landesweit.

4.

Ich betrete den Lift und drücke auf den Knopf für die Penthaus-Suite des Hotels. Ich höre die Klingel des Lifts, als er auf der achten Etage anhält und gucke verschreckt, als die Türen aufgleiten. Vier leichtbekleidete Frauen betreten lebhaft plappernd den Lift, wo ich mich in eine Ecke drücke. Ich habe das Gefühl, dass ich die schon mal gesehen habe, denke ich, während der Lift den Weg zum Penthaus fortsetzt, auf der Party von…? Ping! Die Türen öffnen sich auf der letzten Etage. Auf der Party, wo mein Dealer auch war mit den Den Haagern, Pole-Tänzerinnen, Huren und Drogen. Shit, es sieht so aus, als ob dieser Typ so‘n bisschen überall auftaucht. Die Penthaustür steht offen, und wir gehen alle fünf nach drinnen, wo die Unterhaltung in vollem Gange ist. Die Frauen verteilen sich zwischen den übrigen Gästen, und ich sehe, ob ich den Stadtrat finden kann. Übertrieben lautes Lachen aus der Küche zieht mich an. Bevor ich dorthin gehen kann, werde ich von einer Hand auf meiner Schulter zurückgehalten. „Da bist Du ja endlich,“ höre ich hinter mir, und der Grund, warum ich hier bin ist sofort wieder klar. „Stadtrat“, sage ich und drehe mich mit meinem breitesten Lächeln zu ihm um. „Stadtrat, wie geht es?“

5.

„Gut, gut, hast Du es bei Dir, hast Du es bei Dir?“ wiederholt er nervös und verschwitzt. „Ja, ja, bleib‘ ruhig, ich habe es“, und klopfe ihn leichtin die Seite. „Schön, schön, dann sprechen wir bald über die Papiere. Jetzt muss ich erst mit ein paar Leuten Bekanntschaft schliessen.“ Er dreht sich nach einer Gruppe um, wo auch zwei von den Frauen stehen, die mit mir im Aufzug waren. Glücklich, wie ein Kind und erhobenen Händen, geht der junge Stadtrat zu dem Grüppchen und zieht eine der Frauen am Arm hinter sich her zu einem Zimmer im hinteren Teil des Penthauses. Die Frau schaut sich nach einem Riesen von Mann um, der ihr zustimmend zunickt, worauf sie kichernd mit dem Stadtrat mitgeht. Shit, denke ich, das ist der Typ, der… Das ist der Zuhälter, der seine Freundin und ihre Mutter erschossen hat und jetzt wieder frei ist. Ich schaue mich um und sehe an dem grossen Tisch den grossen Auftragnehmer, seinen Sohn und einen bekannten Betriebsberater sitzen. Wenn es heute Abend klappt, wenn es heute Abend klappt, dann wird alles gut, denke ich und gehe auf den Tisch zu. „Hey“, ruft der Sohn des hiesigen Auftragnehmers, „da haben wir ja den Star-Lobbyisten der Gegend!

6.

Gut gemacht, Mann, gut gemacht, und darum haben wir auch eine Überraschung für Dich, da in dem Zimmerchen…“ Er zeigt auf das Zimmer, in dem der Stadtrat gerade verschunden ist. „In dem Zimmer des Stadtrats?“ frage ich verwundert. „Nee, Superstar, im nächsten Zimmer!“ „Doch keine Hu…“ und halte inne, um nicht Hure zuu sagen. „Ich habe doch gerade erst geheiratet, Mann!“ „ Was hier passiert, bleibt unter uns, wir sind doch alle erwachsen, oder?“ fragt der Auftragnehmer in die Runde ohne mich anzusehen. Eine grosse Hand auf meiner Schulter zwingt mich, mich umzudrehen. Es ist der Riese, der der Frau zugezwinkert hat. Mist, ich habe seinen Namen vergessen, kommt mir in den Sinn. „Geh‘ mal Junge, ich habe von – er flüstert mir den Namen meines Dealers ins Ohr – gehört, dass Du der neue Wunderjunge von Den Haag werden wirst.“ „Na, na“, versuche ich zu widersprechen und fühle, wie seine Hand mich in Richtung des Zimmers schiebt. Ein bisschen unter Druck und leicht in Panik, gehe ich langsam auf das Zimmer zu und drehe mich an der Tür noch einmal um.

7.

Der ganze Saal schaut hinter mir her und juchzt, als ich die Tür öffne und Anstalten mache, nach innen zu gehen. Drinnen ist es arg dunkel, und meine Augen haben Mühe, sich anzupassen, als ich links von mir eine Stimme flüstern höre: „Komm mal hierher, junger Mann.“ Ich stosse meine Beine am eisernen Bettrand und fühle eine warme Hand die meine ergreifen.

Es ist 1997 in einer Stadt nahe der Küste

von Süd-Holland

Sieh mal den da, wie er da sitzt

1.

Sieh ihn Dir an, er hat gerade seine junge Frau und zwei Kinder verlassen, weil sie ihn betrogen hat. Er sieht aus, als käme er gerade von einem Schlagerfestival in seinem auffallenden Hemd, dem Westchen, seinem Lockenkopf und dem Schurrbart über seiner Lippe. Er hat gerade ein Bauunternehmen aufgemacht, fährt in einem dicken BMW rum und denkt, dass ihm die ganze Welt gehört. Und dann, ständig feiern, teuer essen gehen und in Kneipen rumhängen. Junge, Junge, was für ein Bastard in seinen teuren Hosen, Jacken und dem goldenen Schnickschnack. Guck dir die lächerlichen, grossen, goldenen Gehänge in seinen Ohren an. Er sieht aus wie ein Pirat. Sieh dann nochmal, wieder neue Sachen und eine neue Aufmachung. Jetzt denkt er, dass er Tony Montana ist oder so. Sieh dann mal, mit wem er da so rumhängt, hey, warte mal, den kenne ich doch irgendwo her… Schau ihn dir an, er parkt sein Auto direkt vor der Tür hinter einem rot-weissen Band und muss

2.

nicht vor dem Nachtclub in der Schlange stehen, die Türsteher lassenn ihn immer durch die Vip-Tür nach drinnen. Sieh ihn dann da am Tisch sitzen, da zwischen all den grossen, gefährlichen Typen. Es sieht ganz so aus, dass er sie alle kennt, Rausschmeisser, Discobesitzer und Kneipiers. Incassobüro- und Bauunternehmer, zwielichtige Autohändler, alles, was du dir vorstellen kannst. Sieh ihn dann zwischen Zuhältern, Dealern, Mördern, Tänzerinnen und Bodybuildern sitzen. Und sieh ihn dann zwischen hohen Steuerbeamten und Bankiers sitzen, um mit ihnen eine Mauer um ihren Garten, ein Haus oder einen Anbau an ihrem Haus zu besprechen. Und jetzt sitzt er wieder um mit Anwälten und Unterhändlern von Schein-GMBH‘s in Steuerparadiesen zu verhandeln. Dann wieder sitzt er zwischen all den grossen ‚Herren‘ der Gesellschaft aus verschiedenen Milieus und Berufen. Sieh ihn dann da sitzen, um zu handeln oder einfach so zum Vergnügen. Ein junger Mann mit einem kleinen Baugeschâft im Alltag und all den anderen Kontakten in der sogenannten Unterwelt.

3.

Sieh ihn da sitzen in der Kneipe des Dorfes mit ungefähr 17000 Einwohnern. Natürlich weiss hier jeder aus welcher Familie er kommt, was ihn manchmal auf die Palme bringt. Sieh ihn dann da sitzen, und niemand tut ihm was, selbst die schweren Jungs des Dorfes und aus der Umgebung nicht. Sieh ihn da sitzen, den kleinen Kriminellen aus dem Dorf, das zwischen den grossen Städten von Süd-Holland liegt. Sieh ihn da sitzen, ganz allein zwischen all den seltsamen Geschichten, die niemand hört. Sieh ihn da sitzen, den Mistkerl, der sich nicht um seine Kinder kümmert und sich nur durch das ganze Land und Belgien feiert. Sieh ihn da, arrogant an der Theke sitzen, gerade von der Polizei freigelassen, nach dem soundsovielten Gewaltdelikt an seinen Schuldnern. Sieh ihn dann in den Nachtclubs von Amsterdam sitzen, wo er und seine Männer die Rausschmeisser bezahlen, um andere Dealer zusammenzuschlagen und hinauszuschmeissen. Sieh ihn da, laut lachend an der Bar sitzen, lachend über einen Typen, der versucht, ihn mit einer Pistole zu bedrohen und einzuschüchtern,

4.

um danach mit dem selben Typen ein Bier an der Bar zu trinken. Sieh ihn dann in der Disco, wo er zwischen dem Boybuider-Freundchen seiner Ex-Frau und dessen Freunden steht und fragt: Habt Ihr mich auf ‘ner Liste stehen? Wenn ja, dann lassen wir das hier und jetzt eben regeln! Sieh ihn dann mit einem Stahlrohr in der Jacke eben einen Besuch bei jemanden abstatten, der seinen Kumpel bedroht hat, weil er in seiner Strasse sitzt. Und er will nur feststellen, dass sein Kumpel in niemandes Strasse sitzt und fragt, ob es sonst noch ein Problem gibt. Sieh ihn dann im Restaurant sitzen, wo sein Bruder als Chefkoch arbeitet, und noch 20000 Gulden an Überstunden vom letzten Jahr gut hat, die sein Boss nicht bezahlen will. Jetzt kann sein älterer Bruder noch wählen, ob er in etwa einer Stunde 20000 Gulden im Sack hat und sich einen neuen Boss suchen kann, oder ob er seinen Kaffee austrinkt und wieder weg geht. Er trinkt seinen Kaffee aus und geht weg. Nicht lange danach muss sich sein älterer Bruder trotzdem einen neuen Boss suchen!

5.

Zu schade um die 20000 Gulden! Vielleicht muss er darum noch mal zurück nach Holland fahren, um richtig abzurechnen. Sieh ihn dann da sitzen, nachdem er das Auto eines grossen Auftraggebers in Beschlag genommen hat, weil der seit Monaten nicht bezahlen wollte. Er hat ihn dann zu Hause aufgesucht, statt in seinem Büro, um ihn danach mit seinem Kumpel zur Bank zu schicken, um das Geld abzuheben, was dann erstaunlicherweise auf einmal ging. Sieh ihn dann wieder mit einem Fernglas in seinem Auto sitzen, ein Industriegebiet zu beobachten, um Gebäude, Zeiten und Personen zu beobachten, die da kommen und gehen. Und manchmal dauerte dasBeobachten Tage oder Wochen. Sieh ihn da stehen und mit einem grossen Typen reden, der sagt, dass er noch einen unbezahlten Bon von ihm aus seiner pleitegegangenen Kneipe hat, und er den Kneipenwirt einfach auslacht, nachdem er ihm den verkehrten Betrag genannt hat, ohne den Bon sehen zu lassen

Hahaha lacht er und sagt:

6.

Wenn es der selbe Betrag ist, den ich im Kopf habe, werde ich Dich bezahlen und werde Dir helfen und einen Tipp geben. Du bist zweihundert Gulden über dem Betrag, Du Pferdearsch, krieg‘ die Krätze mit Deinem Bon! Und du weisst dann ja, was Du mit deinem Bönchen tun musst, wenn Du es gefunden hast! Ruft er dem Wirt noch nach. Und was? Ruft der Wirt zurück. Aufrollen und es dahin stecken, wo keine Sonne hinscheint, Du Arschloch, antwortet er.

Sieh ihn dann da sitzen. Sieh den Bastard dann da sitzen.

Neunziger Jahre- Süd-Holland

Alte Dämonen

1.

Schon seit zwei Tagen sitze ich hinter den eisernen Fensterläden meines Ateliers, das in der Stadtmauer des prächtigen, pittoresken Dörfchens in Südfrankreich versteckt ist. Und nachdem ich draussen etwas gehört habe, schalte ich den Ton meines Computers ab. Nervôs, wütend und paranoiak, wenn ich daran denke, was vielleicht passieren kann. Hunderte verschiedene Szenarios schiessen mir durch den Kopf, und sie enden alle nicht so, wie ich es gerne hätte. Glücklicherweisewar es nur mein nachbar, der ein paar Tûren weiter, nahe bei dem Stadttor, eine kleine Kunstschmiede hat. Ein tiefer Seufzer, un ich sehe und höre mir wieder auf meinem Computer all die Narrheiten an, die zur Zeit auf dieser Welt in Gang sind. Alle Nachrichtensender, Journalisten und Politikervermitteln ausschliesslich grosse Ängste. Wir verlieren jetzt sehr schnell alle unsere Freiheiten durch ein Virus, das ûber die gesamte Erde verbreitet ist. Das Virus heisst Korruption und wird, meiner Meinung nach mehr verwüsten, als unsere Gesundheit.

2.

Die Welt ist pleite, und wir werden von Politikern und der medizinischen Industrie belogen. Alles ist durchtränkt von Korruption und Lügen, nachdem, was ich in den Nachrichten der ganzen Welt wieder gesehen habe. Plötzlich höre ich ein Auto vor der Tür, und ich schalte den Ton wieder herunter. Mist, es ist der Biefträger, und ein Papier wird in meinen Briefkasten geschoben. Er klopft nicht, also kein Pâckchen ! Pfff… Zwei Tage lang sitze ich nun bereits versteckt hinter meinen eisernen Fensterläden und denke, was da auf mich zu kommen kann. Alte Dämonen, die mich wieder eingeholt und gefunden haben in meinem Atelier im schönen Süden von Frankreich. Schon zwei Tage lang habe ich das Gefûhl, dass sie jeden Moment hier einfallen können : Ein Invasionskomando in schwarzen Kampfanzügen, kugelsicheren Westen und Militärwaffen auf mich gerichtet, klâffende Drogenhunde und die gesamte Scheisse. Meine ganzen Gedanken sind Mist! Warum habe ich nur diese Scheissgedanken in meinem Schädel? Shit, das Telefon klingelt, und ich kenne die Nummer nicht.

3.

Sie werden schon auf den Anrufbeantworter sprechen, denke ich und reagiere nicht. Piep, piep. Eine SMS von der Sekretärin der Gemeinde, ob ich morgen früh um Neun Uhr zeit habe, um die Frau des Maklerbüros zu empfangen. Fluchend stehe ich auf und laufe im Kreis. Sie ist doch schon da gewesen, hat alles gesehen und vermessen, was wollen sie denn nun schon wieder. Noch mehr Stress und Paranoia-Gedanken. Ich versuche gut nachzudenken, was das schon wieder für ein Mist ist, denn schon seit zwei Tagen denke icch nicht mehr gut nach. Chaos in meinem Schädel. In meinem gebrochenen Französisch versuche ich die Sekretärin zu fragen, ob sie den Termin nicht auf Mittag legen kann, und ob sie mir sagen kann, warum sie nochmal kommt. Mein Telefon piept wieder, und sie versucht, mich zu überzeugen, dass es doch um neun Uhr sein muss, und dass es nur zwei Minuten dauern wird. Siehst du es jetzt, siehst du es, verdammt nochmal, dass du Recht hast, saust mir durch den Kopf.

4.

Sie antwortet nicht auf meine Frage, warum sie noch einmal vorbeikommen muss. Also versuche ich es eine halbe Stunde später noch einmal. Warum will die Frau vom Maklerbüro vorbei kommen?Wieder keine Antwort, und ich werde ungeduldig. Also frage ich leicht spöttig, ob sie als Model kommen will, und ob es nicht doch mittags sein kann. Und wieder keine Antwort! Jetzt beginne ich richtig nervös zu werden, und ich fühle mich in meiner Idee bestätigt, dass sie kommen, um mich festzunehmen. Der Tag ist fast zu Ende, und ich habe noch stets keine Bestätigung bekommen. Ich simse noch kurz: Morgen nicht! Montag! Einen schönen Tag noch! Komm mal kla, denke ich und verstecke mich wieder mal hinter meinen eisernen Fensterläden. Ich versinke wieder in meine düsteren Gedanken.

5.

Warum hat sie es abgeschickt? Sie weiss doch, dass ich registriert bin, inklusive der „Überraschung“, die sie mir bereitet haben. Sie weiss doch, dass es hier illegal ist! Und dass ich für ein bisschen Kraut zum Rauchen festgenommen worden bin, hier in La France! Jetzt weiss ich es sicher, sie kommen gleich, um mich festzunehmen. Es wird langsam Abend, und ich beginne, mich ein bisschen ruhiger zu fühlen nach ein paar Gläsern Whisky und einem ‚Smooky‘. Der Abend wird mir lang, aber endlich falle ich doch in Schlaf. Der Tag der Wahrheit bricht an, und meine Nerven stehen auf Sturm. Sie werden doch sicher nicht um neun Uhr vor meiner Tür stehen, denke ich, da sie doch nicht auf meine Frage per SMS geantwortet haben. Voll von Kaffee sitze ich in meinem, mit blauem Rauch gefüllten Atelierchen und warte noch immer auf meine Festnahme. Glücklicherweise ist niemand um neun Uhr vorbeigekommen, und der Tag ist langsam bis zum Mittag gekrochen.

6.

Meine Paranoia ist ein bisschen gesackt, und in meiner Arroganz denke ich, dass die französische Kultur es nicht zulässt, jemanden in der Mittagszeit festzunehmen. Rühr‘ verdammt nochmal nicht an der französischen Mittagszeit, die ist ihnen heilig! Ich wasche schnell meinen Hintern im Becken, um dann zum Supermarkt zu gehen und um mich danach schnell wieder hinter die Läden meines Ateliers zu setzen. Verdammt, verdammt, verdammt, wie kann sie so dumm sein, oder macht sie das extra? Aber dann ist sie selbst auch dran. Das ändert alles. Der Tag schleicht vorbei, und am Beginn des Abends kriege ichzu hören, dass mein Vertrag beim Energielieferanten beendet ist. Verdammte Scheisse, schreie ich. Als ich beim E-werk anrufe, wird mir bestätigt, dass jemand von der Gemeinde den Vertrag gekündigt hat. „Ohne, dass man mich darüber informiert hat?“ schreie ich. So ist das also, denke ich, da sind wir wieder. Ein verdächtiges Päckchen bei der Post.

7.

Befremdliche Dinge bei der Maklerin, die nicht sagen will, warum sie so dringend noch einmal vorbeikommen muss. Mein Stromvertrag von der Gemeinde gekündigt. Jetzt bin ich echt gelackmeiert, ja echt aufgeschmissen. Zuerst habe ich gedacht, dass es besser wäre, mich irgendwo zu verstecken, aber ich kann nirgend anders hin. Wenn du echt gesucht wirst, gibt es da einen Haftbefehl, und wenn du dann gefunden wirst, ist die Konfrontation das Schlimmste. Ich versuche, die Gemeinde zu erreichen, aber niemand weiss was, und niemand hat etwas getan. Meine Angst festgenommen zu werden verschwindet langsam und verwandelt sich in eine alte Wut, die ich eigentlich in diesem Moment nicht gebrauchen kann. Es ist doch nicht normal, dass da mal eben irgend jemand meinen Stromvertrag kündigen kann!

8.

Wir haben wirklich keine Rechte mehr, und die Welt verändert sich nicht langsam sondern rasend in eine globale Diktatur. Die Gemeinde reagiert nicht und lässt nichts mehr von sich hören, und ich bin es satt, denn bald sitze ich, nach der Arrestation ohne Strom, und es ist verdammt kalt in diesem Winter im schönen Süden Frankreichs. Das ganze verdammte Durcheinander ist mir jetzt egal, und ich bin es verdammt satt. Ich nehme meine Stromrechnung und ziehe meine Jacke an. Ich werde es jetzt regeln, bevor sie mich einladen. Ich öffne die Tür meines Ateliers, gehe an der Schmiede und dem Stadttor vorbei, biege links ab zup Haus des Bürgermeisters. Mit festem Schritt gehe ich die Strasse entlang, die schräg hinauf zum Haus des Bürgermeisters führt, das an der Ecke dieser Strasse liegt. Als ich um die Ecke biege, steht der Mann, den ich suche auf der obersten Stufe vor seiner Eingangstür und redet mit drei Männern, die ich nicht kenne. Ich nehme die Rechnung aus meiner Hosentasche, schwenke sie wild hin und her und

9.

schreie den Bürgermeister an, dass er schnellstens die Person anrufen muss, die meinen Vertrag gekündigt hat, und zwar sehr schnell, weilich es nicht normal finde, dass so etwas möglich ist. Wütend drehe ich mich um und gehe wieder weg, ohne dass der Bürgermeister oder sonstwer reagieren kann und weiss, dass ich es nun wirklich versaut habe. Noch kein Polizeiwagen vor der Tür, denke ich, als ich wieder auf meiner Strasse bin und zu meinem Atelier gehe. Keine zehn Minuten später klopft die Person, die in meinen Augen wahrscheinlich den Vertrag gekündigt hat, an meine Tür. Ich öffne und ‚maskiert‘ kommt der Mitarbeiter der gemeinde in mein Atelier, um die Abrechnung und den Stromzähler anzuschauen. Es bleibt eine eigenartige Erfahrung, jedermann mit einer Maske im Gesicht herumlaufen zu sehen. Der Mann, der sich vorgestellt hat, versucht noch nonchalant etwas Vages über die Rechnung zu sagen, und dass dies alles bizzar ist.

10.

Aber ich sage nur in meinem gebrochenen Französisch, dass es verdammt bizzar ist, dass er mal so eben meinen Vertrag kündigen kann. Verdammt! Erstaunt sieht er mich an. Ja, sage ich nochmal: In-fucking-croyablement bizzar, Monsieur. (Verdammt unglaublich, Monsieur) Er sagt, dass er es regeln wird. Ich danke ihm und wünsche ihm ein schönes Wochenende. Das Wochenende und die folgende Woche verlaufen sehr angespannt mit all den Paranoia-Gedanken und Ängsten. Die ganze Woche den scheiss Postboten, pardon, er kann ja nichts dafür, vermeiden. Und dann ist schon wieder Freitag. Gestern hatte ich eine Nachricht von der Sekretärin, dass ich meinen neuen Mietvertrag unterzeichnen kann. Ich frage sie, ob das Freitag am am Spatnachmittag sein kann, immer noch überzeugt, dass sie mir alle noch was wollen. Also heute Nachmittag werde ich meinen neuen Mietvertrag unterzeichnen.

11.

Ich habe versucht mich von allen Seiten über meine Rechte als Mieter zu informieren. Jetzt weiss ich aufs Beste Bescheid und habe so viele Formfehler entdeckt, dass sie mich nicht hinausschmeissen können. Jetzt komm, ich weiss Bescheid, und ich lasse mich nicht nochmal auf den Arm nehmen. Cool und voll Paranoia gehe ich zu dem kleinen Gemeindehaus. Ich habe auch eine Flasche Cognac für den Bürgermeister bei mir, nachdem ich per SMS bei ihm entschuldigt habe. Die Sekretârin empfängt mich freundlich. Ich versuche noch einmal, mich zu entschuldigen und gebe ihr den Cognac für ihren Chef. „Und ich“, fragt sie. Wir lachen, und ich verspreche ihr etwas anderes als eine Flasche Cognac. Sie legt mir die Papiere vor, und ich sehe, dass der Vertrag in Ordnung ist, was die Zeit und den Preis betrifft. Ich danke ihr und mache mich auf den Weg zurück zu meinem Atelier. Still laufe ich nach oben durch die schmalen Gassen, an der Kirche vorbei, über den Platz mit dem Springbrunnen und den vier uralten Platanen.

12.

Ich bleibe einen Augenblick stehen, schaue mich um und atme tief durch. Via der Treppe, die neben der Terrasse nach unten führt, laufe ich an dem Häuschen vorbei, das ich gerade renoviere und das, wie mein Atelier Teil der Stadtmauer ist. Still gehe ich die paar Schritte weiter. Drinnen setze ich mich hin, fühle mich ausgelaugt. Pfff. Gebeugt, meinen Kopf in den Händen, sitze ich in meinem bequemen Sessel und denke… Junge, Junge, was bist Du doch für ein echter Idiot! Was für ein unglaubliches Arschloch.

All das für nichts. All das wegen der alten Dämonen.

Winter 2021 in einem pittoresken Dörfchen im Süden Frankreichs.

Spanischer Krieg

1.

Es ist heiß, als ich einen großen Happen von meinem Frikadellenbrötchen mit Majo abbeiße. Ich sitze auf der Terrasse der Snackbar eines Holländers im Süden Frankreichs. Jetzt wirst Du denken, dass, wenn man schon im im schönen französischen Süden wohnt, man am liebsten alle die leckeren Gerichte genießen würde, die sie hier servieren. Jetzt kann ich Dir sagen, dass ich zwei und ein halb Kilo verloren habe, durch all den Stress und Mist, den ich selbst verursacht und nun um die Ohren habe. Ein leckerer, fetter Happen aus einer holländischen Snackbar ist eine sehr gute Empfehlung, um sich satt und zufrieden weiter abrackern zu können. Ich bin müde und habe in den letzten Wochen nicht wirklich gut geschlafen. Wirr im Kopf von unverarbeiteten Traumata und sehnsüchtigen Phantasien, die ich noch nicht von meiner ‚Craig List‘ gestrichen habe, bin ich wütend auf Alles und Jeden und die ganze Welt, so wie ich es früher, mit 16 oder 17 war. Aber vor Allem bin ich wütend auf mich selbst, weil ich in diesem Augenblick meine Gefühle und Ausbrüche nicht gut unter Kontrolle habe.

2.

Nach einem Schluck von meinem Bier und noch einem Happen von meinem Brötchen, sehe ich aus dem Augenwinkel ein Auto, das versucht auf der Straße vor mir zu parken. Ich sitze mit dem Rücken zur Snackbar, weil ich mit meiner schlechten Laune nicht wirklich auf eine Unterhaltung mit dem Eigentümer warte. Die Beifahrertür steht jetzt offen, und ich höre die Frau neben dem Fahrer schimpfen und schreien. Es scheint Spanisch zu sein, was ich da höre, so wie jeder hier auf der Terrasse es hören kann. Ein Gefühl von Mitleid mit dem Mann hinter dem Steuer schießt mir durch meinen mit düsteren Gedanken und Mist vollgestopften Schädel. Ich sitze schräg zur Straße und starre geradeaus, so das es scheint, als ob ich anderswo hinschaue, während ich heißhungrig mein Essen vertilge. Die Frau schreit und beschimpft den Mann, der mehrfach aus dem Auto aus und wieder einsteigt, immer noch. Junge, Junge, denke ich, was für ein verkorkster Urlaub. Er, aus dem Auto. Er ist ein Sandwich, ins Auto. Sie fängt wieder an zu schimpfen. PFFF, ich komme hierhin, um mich auszuruhen, was nicht logisch ist, da es hier ein bisschen wie in Noordwijk aan Zee zugeht, es ist nur enger und heißer und noch mehr Touristen.

3.

Nun gut, mein Essen schmeckt mir, und ich genieße es, leicht irritiert von meiner ‚Spanischen Soap‘, als als ich bemerke, dass die Frau plötzlich mich anschreit und nicht mehr den erbarmungswürdigen Mann an ihrer Seite. Wie kann ich das wissen, wirst Du fragen. Na ja,wenn Du ruhig sitzt und isst, und jemand schreit jemand Anderes an, zeigt mit dem Finger genau in Deine Richtung, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es um Dich geht, vor allem,wenn der Mann auch zu Dir hinsieht und mit dem Finger auf Dich zeigt. Ich bin 48 Jahre alt, fühle mich nicht wohl in meiner Haut und bin 25 Kilo leichter, als in meiner sogenannten, glorreichen Zeit. Mein Bart ist lang und weiß, habe meine Schirmmütze auf und meine Sonnenbrille auf der Nase. Ein alter Sack, dem die Haut um die Knochen schlottert, mit tiefen Falten im Gesicht, gezeichnet vom Leben. Ich habe den Kopf voll von Schund und Schuldgefühlen und weiß nicht mehr so recht, was ich eigentlich so tue. Ich verstehe kein Spanisch, aber ich sehe ganz deutlich, dass ihre Frustrationen nun gegen mich gerichtet sind.

4.

In diesem Moment ist ihr Zorn deutlich, da beide schreien und mir den Finger zeigen. Der Eigentümer der Snackbar und seine Frau fragen, was denn los ist, nachdem ich den spanischen Streitern zwei Finger zurück gezeigt habe und :“Für Deine Mutter auch einen“ zurückgerufen habe. Nachdem ich den Tatbestand kurz beschrieben habe, fahren die Spanier, sie schreiend und fluchend, in ihrem kleinen, grauen Auto mit spanischem Kennzeichen weg. Fertig mit essen und nach einer Zigarette, rechne ich mit der Frau des Eigentümers ab. Leicht genervt laufe ich an anderen Restaurants vorbei zurück zu meinem Auto. Am Zebrastreifen, der zum Parkplatz führt, sehe ich das aufgeregte Pärchen auf mich zukommen. Und da passiert etwas in meinem Kopf, obwohl ich es besser weiß und zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann, um den Ausgang dieser herannahenden Konfrontation zu beeinflussen. Durch meine Erfahrungen in meinem früheren Leben, in einem anderen Milieu, habe ich ein paar Eigenschaften übrig behalten, die so gefährlich wie lebensrettend sein können. Folglich ist Alles so gut ,wie es eben geht, vorausberechnet und kalkuliert.

5.

Aber natürlich stimmt das nicht immer, weil die Dinge jederzeit anders laufen können, als gedacht. Immer noch schreiend und gestikulierend, sieht das spanische Pärchen einen alten Mann mit langem, weißen Bart, Sonnenbrille, Schlägermütze und einem breiten Grinsen im Gesicht ihnen auf Englisch entgegenrufen: „So, dann wollen wir doch mal sehen, ob Ihr beiden Scheisser immer noch so ein großes Maul habt, hey?“ Ich genieße es, wie sie mich mit aufgerissenen Augen, erstaunt anstarren. Ich bin nicht klein und stehe so schnell vor ihnen, bevor sie verstanden haben, was jetzt gerade passiert. Der Spanier ist ungefähr so groß, wie ich und schießt hinter der Frau nach vorne, um mich zu schlagen. Da die Frau halb zwischen uns steht, ist es schwierig, mich gegen den Schlag zu verteidigen, da ich sie nicht verletzten will. Bevor der Schlag des Mannes mich treffen kann, landet meine flache Hand hart auf seinem Brustkorb, wodurch er aus seinen Schuhen kippt und in einen Busch fällt. Halb aus dem Gleichgewicht, halte ich ihn mit der rechten Hand auf dem Boden und rufe ihm auf Englisch zu, dass er besser mal ruhig liegen bleibt.

6.

Seine wutentbrannte Frau hängt halb über mir und schreit halb auf Spanisch, halb auf Englisch in mein Ohr: “Touch me, motherfucker, dann rufe ich die Polizei!“ Ich habe noch nie eine Frau geschlagen, und ich werde auch weiterhin versuchen, es nicht zu tun, aber bei ihr muss ich mich wirklich zurückhalten. In meiner linken Hand habe ich meine Brille und mir der rechten halte ich den Mann noch immer am Boden, als ich der Frau in die Augen sehe und sage: „ Hey, ‚Puta‘, Dich werde ich nicht anfassen, aber ich werde verdammt nochmal Deinen Mann zu Brei schlagen.“ Er macht sich noch kleiner, sie tritt einen Schritt zurück, spukt mir voll ins Gesicht und schreit: „ Touch me, touch me, motherfucker, touch me, dann kann ich die Polizei rufen, motherfucker!“ Endlich lasse ich den Mann los und versuche, zu meinem Auto zu laufen. Er bleibt auf sicherem Abstand und macht Fotos von meinem Auto, während sie weiter schreiend und spuckend auf mich zukommt. Wieder die Szene: Touch me, touch me, I call the Police. Es scheint so, als ob ich derjenige bin, der ihnen in die Falle gegangen ist, und es die Quelle ihres Einkommens ist, ältere Ausländer

7.

herauszufordern, um dann mit der Polizei zu drohen. Ich und meine guten Ideen!!! Platsch, wieder ein Flatschen Spucke in meinem Gesicht. Verdammte Scheiße, schießt es mir durch den Kopf während ich die Spucke aus meinem Gesicht wische: „Puta, hau ab, bevor ich dein Männeken in Stücke schlage!“ steige in mein Auto und fahre ab. Sie tritt noch gegen mein Auto, und er, ach er, er wird vielleicht in Zukunft keinem ‚Alten‘ mehr lästig fallen. Er hat es schon schwer genug mit diesem Fischweib.

Und ich, ich konnte es mal wieder nicht lassen.

UNDERGROUND BLUES

1.

Dicker Rauch hängt in der Bar, der Gitarrist spielt gerade ein Solo, und ich kippe mir mein Glas hinter die Binde. Ich nicke in Richtung von Pierre, dem Barmann, und er schenkt mir noch einen Whisky ein. « Lass mal stehen, » sage ich, als er weggehen will, und Pierre weiss, wie spät es schon ist. Ja, es ist schon spät, und Alles passiert im Augenblick noch im Dunkeln, an Orten, wo die Technik nicht so leicht durchdringen kann. Lärmbelästigung gibt es hier glücklicherweise nicht, da die Bar tief unten, in den Kerkern des alten Dorfkerns liegt. Hierher kommt nur der Abschaum von Musikern, Künstlern und schwarzen Schafen. Die letzten Revolutionäre und Ausgestossenen der Gesellschaft, die im Dunkeln heimlich noch ein bisschen frei herumlaufen können. In den grossen Städten ist das Alles ganz anders. Die Band spielt: Walk a mile in my shoes. Ich drehe mir einen Blunt. Ich fühle eine Hand über meine Schulter gleiten, und ein Schauer durchläuft meinen Körper. Ich blase meine Lungen leer und nehme noch einen Schluck von meinem Whisky. Ein bekannter Geruch steigt mir in die Nase und meine Mundwinkel ziehen nach oben.


keine Angst

2.

Hi, Geile, flüstere ich der Person zu, die sich zu meiner Linken an die Bar setzt. Hi, Geiler, höre ich sachte in mein Ohr zurückgeflüstert. Einer neuer Schauer geht durch meinen ganzen Körper, als ich meine Erinnerungen und die Stimme miteinander verbinde. Während ich mich umdrehe, trinke ich mein Glas leer, um meine Hände für eine warme Umarmung freizuhaben. Was machst Du denn jetzt hier Kätzchen, frage ich, während ich sachte ihren warmen Körper an mich ziehe. Ich konnte nicht schlafen, sagt sie, und ich habe gesehen, dass Du nicht in Deinem Atelier warst, also dachte ich, dass Du wohl hier sitzen würdest. Verdammt, Kindchen, Du weisst doch, wie gefährlich es ist, hierher zukommen. Ja, das weiss ich wohl, aber… Was aber, sage ich zu ihr und küsse sie sanft auf ihre Lippen. Du weisst doch, dass Du im Moment nirgendsmehr einfach so hingehen kannst ohne diesen speziellen Pass. Ja, das weiss ich doch, flüstert sie mir ins Ohr und beisst sachte hinein. Da hast du die Geile wieder, lach‘ ich und drücke ihren Körper fester gegen meinen. Meine Hand gleitet zärtlich über ihren Rücken, und ich schiebe sie in eine bessere Stellung, so dass sie den Stand meiner Erreggung fühlen kann. Sie schaut mich an, ich lache und sage: Wir müssen hier weg.

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Der Jogger

1.

Es ist ein strahlend schöner Tag, und ich habe heute eine Mission. Nach einer kleinen Aufwärmung mit Recken und Strecken, stopfe ich meinen Schwanz in meine Jogginghose und beginne in Richtung meines Bestimmungsorts zu joggen. Die Vögel zwitschern und die Schmetterlinge wirbeln fröhlich herum. Es ist herrlich mit einem bisschen Bewegung in der Sonne, entlang des Wassers den Tag zu beginnen. Hinter der kleinen Brücke geht es rechts ab, vorbei an dem Bootsanlegeplatz des Dörfchens. Während ich an dem kleinen Hafen entlanglaufe, halte ich kurz hinter der Küche des Restaurants an, weil da zwei Jungen sitzen und angeln. « Schon was gefangen ? » frage ich, als sie sich erschrocken zu mir umdrehen. Ich sehe, dass der Grössere von den beiden ein Päckchen Tabak in die Sträucher wirft. Ich bemerke eine kleine Panikbei ihnen aufkommen und frage neckend, ob sie Feuer für mich haben. « Nä, nä, hör’ mal, wir rauchen nicht. Wir sitzen hier nur, um zu angeln. » Ich weiss, wer sie sind und frage sie nach ihrem kleinen Bruder.

2.

Verschreckt sehen sie sich an und fragen laut : « Wer bist Du denn, Alter ? » Ich grinse, wünsche ihnen einen schönen Tag und guten Fang, dann setzte ich meinen Weg fort. Ich lege einen Sprint ein, während ich an einer Kuhweide vorbeilaufe. Die Kühe finden es herrlich im Freien herumlaufen zu können. Ich nähere mich dem Ende des Pfads und verlangsame mein Tempo, um die belebte Strasse zu überqueren. Als ich auf dem Mittelstreifen nach der anderen Strassenseite schaue, auf der Stelle trete, um in Bewegung zu bleiben, sehe ich in der Ferne ein paar Kinder, die irgendetwas unter sich verteilen. Fast an meinem Bestimmungsort, sehe ich, dass ich die Strasse überqueren kann. Ich gehe langsam, um ein paar Radfahrer vorbeizulassen und meinen Weg fortzusetzten. Ich springe über eine kleine Hecke, welche die Strasse, wo ich hin muss, zur Sackgasse macht und drücke mich an ein paar Autos vorbei, die an der Hecke parken. Die Kinder, die in der Ferne spielten, fangen an, sich seltsam aufzuführen und zu bewegen. Ich sehe keinen Erwachsenen und renne in voller Fahrt auf die Kinder zu.

3.

Manche fangen an zu schreien, andere laufen in Richtung einer Haustür. Renn ! Denke ich noch und setzte zu meinen schnellsten Sprint an. Nur ein kleiner Junge steht noch auf der Strasse, als ich an dem Ort meiner Bestimmung ankomme. Hustend, seine Hände an seiner Kehle, zittert der Kleine am ganzen Leib. Röchelnd schnappt er nach Luft, ist am Ersticken. Niemand anders ist hier, also packe ich den kleinen Kerl bei seinen Fussgelenken. Mit einem Ruck hängt er kopfüber in der Luft mit seinem fast blauen Gesichtchen. Ich gebe ihm einen heftigen Klaps auf den Rücken, schüttele ihn hin und her, bis endlich ein grosser, schwarzer Drops, in der Grösse eines Reichstaler aus seiner Luftröre herausschiesst. Aahh, japst das Bübchen, schnappt nach Luft und fängt an zu heulen. Seine normale Gesichtsfarbe kommt zurück, und durch das Weinen kriegt er wenigstens wieder wohltuende Luft. Als die ganze Aufregung sich gelegt hat, sehe ich aus dem Augenwinkel eine Frau mit rudernden Armen in meine Rchtung laufen. « Du Mistkerl, was machst Du da mit meinem Sohn ? » schreit sie mich an.

4.

Ein Mann, der auch angelaufen kommt, ruft der Frau zu, dass ich gerade ihr Söhnchen vor dem Ersticken gerettet habe. « Verdammter Lügner, kümmere Dich um Deinen eigenen Kram, hau ab ! » Die Frau schreit wütend weiter, während sie den Jungen am Arm packt. Fluchend und schreiend zieht sie ihn hinter sich her, und es hört sich so an, als ob sie wütend auf ihn ist, dass er überlebt hat. « Verdammter Bengel, immer ist irgendwas los mit Dir. Mit Dir hat man nur Ärger ! » schreit sie.

Nein, mein Junge, heute nicht. Heute noch nicht, das ist noch zu früh, halte noch ein bisschen durch, flüstere ich.

Es ist Sommer 1976 in einem kleinen Dorf in Südholland.

———————————————————————

schau mir in die Augen

Der Fremde

Es ist dunkel und regnet sachte, während ich noch halb besoffen und vollgekokst , mit einem dicken Joint zwischen meinen Fingern durch das nasse Gras laufe. Mit einem tiefen Zug fülle ich meine Lungen mit Rauch, lasse meine Lungenbläschen sich mit teergefülltem THC impregnieren, um mich etwas entspannter zu fühlen. Meine Füsse sind nass, ich bin schlecht gelaunt und deprimiert, dagegen haben mir Alkohol und Coke nicht wirklich geholfen. Meine Richtung zwingt mich, über einen Bach zu springen, um wieder auf einen normalen Weg zu gelangen, damit ich nicht den ganzen Scheissweg wieder zurücklaufen muss. Warum zum Teufel laufe ich hier herum ? Wie in Teufelsnamen bin ich hierhergekommen ? Etwas weiter weg steht ein grosser Baum, und weil ich anfange den dämlichen Regen ein bisschen satt zu werden, beschliesse ich, mich eine Weile unter den Baum zu setzten. Eine dicke Rauchwolke verlässt meine Lungen, während ich mich setze und seufze, weil mein Körper langsam zu protestieren beginnt, nach einem langen Wochenende mit Dealen, Feiern und Drogen. Während ich meine Lungen wieder fülle, sehe ich im Mondschein eine Gestalt auf mich zukommen.


nichts passiert

2.

Gedanken und Erinnerungen sausen mir durch den Kopf : Werde ich schon die ganze Zeit verfolgt und habe es nicht gemerkt ? Nä… ach fuck it, ich bin müde und kann nicht mehr. Ich zünde meinen Stummel wieder an und inhaliere. Der Rauch zieht ab und vor mir steht eine Gestalt mit einem grossen Cowboyhut und einem schweren Regenmantel, der bis zum Boden reicht. Ich kann nicht anders, als die Lippen zu spitzen und die bekannte Westernmelodie zu pfeifen und warte nur darauf, dass er seinen Colt zieht. Kann ich mich zu Dir setzen, fragt er. Ich nicke und biete ihm den Rest von meinem Joint an, während er sich setzt. Nein danke, das Zeug hat mein Vater kreiert, da bin ich allergisch gegen. Die ganze Chemie, die jetzt durch deine Adern fliesst, habe ich kreieren lassen. Mehr davonfür mich, sage ich und inhaliere. Erkennst Du mich nicht, fragt der Fremde, den ich nicht gut einschätzen kann, der mir aber irgendwie bekannt vorkommt. Nä, von der einen oder anderen Party, oder bist Du der Bruder von… frage ich zurück. Über Dich habe ich mich informieren lassen, seit Du klein warst. Jetzt fängst Du an, mir ein bisschen unheimlich zu werden, mein Freund, sage ich etwas ernster zu dem

Schlaf schön

3.

Fremden, sodass er meinen Sarkasmus heraushören kann. Wenn ich wollte, dass Du tot wärst, würden wir doch nicht hier sitzen und quatschen. Ich biete ihm noch einmal meinen Joint an.

Er lacht.

Er fragt : Weisst Du, warum ich hier bin, und ich sage ja . Du hast mir nichts zu bieten, und ich habe nichts mehr zu verlieren, weil Alles schon verloren ist. Ich sitze bis zum Hals in Drogen und Gewalt und gebe einen Scheiss drum zu sterben, wenn es dann meine Stunde sein sollte… Willst Du denn nicht der Grösste, Reichste und Mächtigste in Deiner jetzigen Welt sein ? Ich muss lachen und sage : Gegen meine Seele ? Die von meinem Vater und meiner Mutter kannst Du umsonst haben, und davon werde ich auch nicht weiser. Meine Familie würde Dir meine für ein gebrauchtest Auto verkaufen, wenn sie hier mit Dir unter diesem Baum sitzen würde. Jetzt lacht er lauter als zuvor, zeigt auf mich und sagt : Du bist noch verrückter, als ich dachte. Hustend, keuchend und röchelnd fange ich an zu lachen und sehe ihn von der Seite an. Arschloch, bringe ich heraus. Sollen wir wetten, dass ich Dich verführen kann, flüstert er, als ich aufgehört habe zu lachen. Um was, frage ich ihn, weisst Du denn Alles ?

ZZZ ZZ ZZZZ

4.

Ja, und keine Frage, kein Wunsch ist zu verrückt. Für alle, meine Familie und mich ? Ja. Ok also, aber nur, wenn Du weisst, was ich will, sage ich zu dem Fremden. Laut lachend dreht er sich zu mir zu und will anfangen. Hee, warte mal, kann ich mal eben was Anderes zwischendurch fragen, wenn wir schon dabei sind ? Jesus Christus, flucht der Fremde und sagt, ja ok, eine kleine Frage, weil Du es bist. Dankeschön, sage ich und frage : Was für ein Ding hast Du mit meinem Onkel Jan ? Er grinst und antworted : Das ist etwas zwischen Deinem Onkel und mir, mein Freund, und seine Augen glänzen. Lass uns weitermachen, sagt er und sieht mich an, sag mir, was Du wissen willst. Die Wahrheit, sage ich, die Wahrheit. Also, die bekommst Du, wenn Du die Wette gewinnst, und wenn ich gewinne, bist Du und Deine ganze Familie alles quitt. Ok, antworte ich dem Fremden, wenn Du weisst, was ich von Dir will, kannst Du Alles haben. Weisst Du, was ich von Dir will ? Er guckt mich an, schaut durch mich hindurch, und es scheint, dass er überrascht ist. Ich gebe zu, sagt er, ich weiss es nicht. Ich will Deine Seele für eine Weile, antworte ich und blase meine Lungen wieder leer.

UNFUCKINGFASSBAR

5.

Er grinst und sagt : Warum denkst Du, dass ich eine Seele haben könnte und dass Du sie haben kannst ? Habe ich gewonnen, frage ich den Fremden, während ich mir einen Neuen drehe. Ja, ehrlich ist ehrlich. Ich zünde meinen Joint an, inhaliere, dann blase ich meine Lungen leer und nehme einen leichten Schwefelgeruch wahr. Ich sehe mich um. Der Fremde ist verschwunden und der Regen hat aufgehört. Ich stehe auf und setze mich wieder in Bewegung. Dann höre ich ein Geräusch aus meiner Tasche. Mein Handy hat wieder Empfang. Also kann ich mir ein Taxi bestellen, wenn ich nur verdammt nochmal wüsste, wo ich bin.

Ich bin 25 Jahre alt, habe den Kaffee auf und will nur noch in mein Bett.

Die Welt entdecken. Morgen. Nein übermorgen.

WACH AUF VERDAMMT NOCHMAL

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